Vollformat und APS-C Sensor

Ich betone gleich zu Beginn dass ich weit davon entfernt bin ein Profi zu sein, ich kann und möchte hier also auch gar nicht mit professionellen Aussagen und Tipps aufwarten. Ich berichte an dieser Stelle lediglich von meinen persönlichen Erfahrungen. Die Wildtierfotografie ist seit einiger Zeit meine große Leidenschaft geworden, und ich versuche immer besser zu werden und voranzukommen. Dabei recherchiere ich natürlich auch viel im Internet, was einerseits extrem hilfreich ist, andererseits muss man sehr genau aufpassen, woher man seine Informationen bezieht. Als Ratsuchender wurde mir öfter geraten, in Foren mit dem Thema Fotografie zu lesen und auch selbst dort aktiv zu werden. Doch nicht selten liest man, sich widersprechende Aussagen. Der eine sagt so, der andere so. In dem Moment weiß man, das eine der beiden Aussagen falsch ist, nur welche? Und natürlich gibt es immer verschiedene Meinungen zu Themen, weil jeder die Dinge anders empfindet. Was der eine als positiv betrachtet, sieht der andere als Nachteil. Somit gilt auch hier, dass man seine eigenen Erfahrungen machen muss. Was mich an solchen Foren (und Foren im Allgemeinen) auch extrem stört, ist die Arroganz und Überheblichkeit mancher (ich betone: mancher, nicht aller) Leute. Man stellt eine normale Frage und bekommt höhnische Antworten usw. Dann reagiert einer auf die Aussage des anderen, weitere Personen schalten sich ein, und so kommt ein langer Dialog zustande, der mit der eigentlichen Ausgangsfrage nur noch wenig zu tun hat. Ich empfand diese Art der Recherche daher als ziemlich anstrengend und mühsam. Ich verstehe ehrlich gesagt auch nicht, warum manche Leute in Foren so aggressiv und überheblich sind, jeder hat einmal bei null angefangen und es ist nicht angebracht, jemanden mit blöden Sprüchen abzukanzeln, der am Anfang steht. Da passt der Spruch "Es gibt keine dummen Fragen, es gibt nur dumme Antworten" ganz gut. Auf Leute die nur in Foren aktiv sind um ihr aufgeblasenes Ego zu streicheln, mit ihrem (oft nur vermeintlichen) Fachwissen zu prahlen und andere niederzumachen kann man, meiner Meinung nach, gut und gerne verzichten.

Aber zum eigentlichen Thema. Auch bei der Frage ob man in der Tierfotografie lieber eine Kamera mit Vollformat- oder APS-C Sensor verwenden sollte, gibt es verschiedene Meinungen. Eine Aussage, die dabei immer wieder auftaucht ist, dass man bei einer Kamera mit APS-C Sensor in Wirklichkeit gar keinen Brennweitenfaktor habe, sprich das Motiv wird bei einer Vollformatkamera genauso groß dargestellt, wie bei einer Kamera mit APS-C Sensor, man hat nur einen größeren Bildausschnitt, also mehr "drum herum" ums eigentliche Motiv. Aber genau das stimmt eben nicht! Und wenn man mal genauer darüber nachdenkt ist es ja auch logisch, dass das eigentlich gar nicht sein kann. Denn wenn das Motiv, z.B. ein Reh, genauso groß dargestellt würde und sich nur der Bildausschnitt vergrößern würde, wo auf dem Kameradisplay oder dem Computerbildschirm sollte dann das was "mehr drum herum" ist, dargestellt werden? Es müsste ja, wenn man so will über den Bildschirm hinausragen. Somit ist eigentlich klar, dass das gesamte Bild, auch das Hauptmotiv kleiner dargestellt werden muss, wenn man einen größeren Bildausschnitt hat. Und dieser Unterschied ist ganz erheblich. Ich werde dazu noch Beispielfotos zeigen.

Aus diesem Grund war es für mich längere Zeit ganz undenkbar, eine Vollformat-Kamera zu verwenden. Ich nutzte die Canon Eos 7D die einen 1,6 Cropfaktor hat. Dazu das EF 100-400mm f/4.5-5.6 L IS USM (Das heißt, verwendet man dieses Objektiv an einer Vollformatkamera hat man tatsächlich 400mm. Verwendet man es an einer Kamera mit APS-C Sensor, wie der 7D, ist es so als hätte man ein Objektiv mit 640mm. (400mm x 1,6 Cropfaktor) Meine Hauptmotive waren als begeisterter Hobbyornithologe (der ich immer noch bin) fliegende Greifvögel und ich war immer zufrieden. Irgendwann wurde aber die Tierfotografie an sich zu einer Leidenschaft, ich wollte nicht mehr nur Vögel, sondern auch Säugetiere fotografieren. Mittlerweile hatte ich ein Objektiv mit größerer Brennweite und ich begann damit, Ansitzfotografie zu betreiben und Rehe und Füchse zu fotografieren. Wie jeder weiß, sind diese Tiere eher morgens und abends aktiv, also sind die Lichtverhältnisse oft nicht gut. Wie schnell stieß ich mit der 7D dabei an Grenzen...Die 7D ist zweifelsfrei eine tolle Kamera, sie hat nur einen gravierenden Nachteil: Das Bildrauschen ab ISO 800. Nach ein paar Ansitzen, bei denen ich teilweise ISO 1600 oder sogar ISO 2000 verwenden musste, war mir recht schnell klar, dass das so für mich persönlich keinen Sinn macht. Es ist sehr schade, wenn man stundenlang ansitzt, um am Ende dann verrauschte Bilder zu haben. Meine Kenntnisse in der Bildbearbeitung sind auch nicht so ausgeprägt, so kann ich Bilder zwar entrauschen, aber das Ergebnis ist nie so toll, wie erhofft. Daher war ab diesem Zeitpunkt für mich klar, dass ich eine Vollformatkamera brauche, da diese bekanntlich ein deutlich besseres Rauschverhalten in hohen ISO Bereichen haben.

Ich hatte anfangs jedoch große Bedenken: Die Tiere sind ja meist sowieso zu weit weg, wie sollte es dann erst sein, wenn auch noch der 1,6 Cropfaktor wegfällt? Dennoch wollte ich es wagen. Nach einem Jahr sparen war es dann soweit: Ich konnte mir die 5D Mark III kaufen, ein großer Tag! Von Anfang an war ich von dieser Kamera begeistert. Den Vorteil nun auch mit höheren ISO Werten fotografieren zu können, möchte ich nicht mehr missen. Auch die Bildqualität ist aufgrund des Vollformatsensors sichtbar besser. Ein weiterer großer Vorteil ist, dass sie einen Silent Modus hat. Das Auslösegeräusch ist in diesem Modus sehr leise, im Gegensatz zum normalen Auslösegeräusch, was in der Tierfotografie auch entscheidend ist. Mein Fazit ist: Ich war immer ein großer Freund des Cropfaktors und wie gesagt ist es für mich längere Zeit völlig undenkbar gewesen, eine Vollformat-Kamera zu verwenden. Das hat sich nun geändert. Seit ich die 5D Mark III habe, habe ich die 7D nicht mehr benutzt und es gab bisher nur wenige Situationen, in denen ich den Crop Faktor vermisst habe. Ich muss aber sagen dass ich, wenn ich ausschließlich mit dem 100-400 fotografieren würde, keine Vollformatkamera verwenden würde. Da ist der Cropfaktor doch hilfreich. Ich denke bei lichtstarken Objektiven mit Festbrennweite ab 500mm, die man auch mit Konvertern verwenden kann, hat man aber mit dem Vollformat deutliche Vorteile gegenüber den APS-C Modellen, wie eben eine bessere Bildqualität und ein viel besseres Rauschverhalten. (Natürlich auch bei lichtstarken Festbrennweiten-Objektiven mit 300mm oder 400mm, die man dann mit 2fach Konvertern verwenden kann.)

 

Beispielbilder :

Canon 5D Mark III 840mm f/5,6 1/500 ISO 500. Entfernung: 20 Meter, kein Cropfaktor.

Canon 7D Mark II 840mm f/5,6 1/500 ISO 500. Entfernung 20 Meter, Cropfaktor 1,6 fach.

Man sieht dass der Cropfaktor einen enormen Unterschied ausmacht. Nach über 2 Jahren Praxis mit der 5D Mark III kann ich nun sagen, dass sich das Fehlen des Cropfaktors in der Vogelfotografie deutlich bemerkbar macht. Der Papagei war 20 Meter entfernt und man sieht, wie klein er am Vollformat abgebildet wird. Wenn man sich überlegt, dass so ein Graupapagei auch nicht gerade zu den kleinsten Vögeln gehört, kann man sich vorstellen, wie es sich bei Singvögeln auswirkt. Der Cropfaktor kann hierbei einen großen Vorteil gegenüber einer Kamera mit Vollformatsensor bringen. Ein Fotograf sagte einmal zu mir, dass der Cropfaktor rein gar nichts bringe, weil er lediglich eine Ausschnittvergrößerung darstelle, die eben schon in der Kamera , und nicht nachher am Computer stattfindet. Rein theoretisch mag das stimmen, in der Praxis merkt man aber, dass man gerade in der Vogelfotografie auf große Distanzen deutlich bessere Ergebnisse erzielen kann als mit dem Vollformat. Dennoch nutze ich zu 99% meine 5D III. Mit dem Cropfaktor kommen wieder andere Probleme, so macht sich z.B. jedes Luftflimmern (noch) deutlicher bemerkbar und man bekommt dann keine scharfen Bilder. Letzten Endes kommt es immer darauf an unter welchen Bedingungen man fotografiert. Fotografiert man Vögel ausschließlich aus einem Versteck auf kurze Distanzen, z.B. am Futterplatz, braucht man sicher keinen Cropfaktor. Möchte man dahingegen seine Beobachtungen die man in der Natur macht dokumentieren, kann der Cropfaktor von entscheidendem Vorteil sein.

 

 

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