Wer sich ernsthaft für die Wildlifefotografie interessiert, wird sich früher oder später mit dem Thema Tarnung beschäftigen müssen.

 
In unseren Breiten ist Wildtierfotografie ohne Tarnung bis auf wenige Ausnahmen fast unmöglich da Wildtiere zumeist sehr scheu sind und beim Anblick von Menschen sofort die Flucht ergreifen. Eine gute Tarnung ist somit unumgänglich und der Schlüssel zu ansprechenden und guten Wildlife-Fotos.
 
Über die Jahre habe ich verschiedene Möglichkeiten der Tarnung ausprobiert, es hat eine Weile gedauert bis ich die für mich optimale Lösung gefunden habe. Nachfolgend zeige ich verschiedene Möglichkeiten sich in der Natur zu tarnen um zum gewünschten Ergebnis zu kommen. Tarnung ist wichtig und notwendig, aber nur ein Teil des Großen und Ganzen. Vor Allem braucht man sehr viel Geduld und Ausdauer, ordentlich Sitzfleisch und bei bestimmten Tierarten oft einen sehr langen Atem und eine hohe Frustrationsgrenze bis man endlich Erfolg hat. Denn die Wildtierfotografie besteht zum allergrößten Teil aus warten, warten und nochmals warten.
 
 
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Da ich meist mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs bin, brauche ich eine Tarnung die nicht viel Platz wegnimmt und mit in den Fotorucksack passt. Da eignet sich der Kwik Camo Tarnüberwurf sehr gut, er tarnt gleich noch Kamera und Stativ, eine tolle Sache! Ich persönlich fühle mich darunter über mehrere Stunden hinweg jedoch nicht so wohl.

Diesen jungen Fuchs z.B. habe ich mit oben gezeigter Tarnung auf einem abgeernteten Getreidefeld bei Dresden fotografiert. 7D 840mm f/5,6  1/800  ISO 500

In dieser Art Tarnung fühle ich mich wesentlich wohler: Ein Tarnponcho, dazu ein Tarnschal ums Gesicht gewickelt, Tarnhandschuhe, fertig! Die Stativbeine sind mit der Hose eines Ghiliie Anzuges getarnt, diesen tollen Tipp mit der Hose bekam ich von einem anderen Naturfotografen. Über die Kamera habe ich auf diesem Bild den Kwik Camo gelegt. Das war allerdings provisorisch. Jetzt nutze ich einen Tarnstoff den ich über Kamera und Stativ hänge in gleicher Art wie der Poncho. Ein Ghillie Anzug ist auch eine tolle Art der Tarnung. So habe ich zum Beispiel den Eisvogel unten fotografiert. Ich bin auf den Poncho umgeschwenkt, weil ich den Ghiliie Anzug nicht in den Fotorucksack bekomme und somit neben der recht großen Stativtasche, noch einen Beutel schleppen müsste. Zudem ist ein Ghillie Anzug in der wärmeren Jahreszeit unerträglich heiß. Poncho, Tarnhandschuhe und Tarnstoff hingegen sind leicht und passen in den Rucksack hinein. Da ich kein Auto habe und auch öfter größere Strecken zu Fuß bewältigen muss, sind diese Kriterien für mich entscheidend. Auch in Zügen und Bussen fühle ich mich mit weniger "Gepäck" wohler, da diese eh meist überfüllt sind.

Eisvogel in einem Teichgebiet bei Dresden. Fotografiert mit einem Ghillie Suit als Tarnung. 5D Mark III 840mm f/5,6 1/400 ISO 1000 +03

 

Update, April 2015: In der Zwischenzeit bin ich noch einmal auf eine andere Tarnmethode umgeschwenkt, die ich persönlich noch besser finde, als einen Tarnponcho: Einen 3D Blättertarnanzug. Er ist nicht ganz billig, die Investition lohnt sich aber, da der Tarneffekt sehr gut ist. Er ist zudem sehr leicht und man hat volle Bewegungsfreiheit. Bei der Ansitzfotografie mache ich es auch so, dass ich die Hose des Anzuges einfach um die Stativbeine hänge. Als Tarnung für das Gesicht nehme ich ein leichtes Tarnnetz. Darunter wird es nicht so heiß und man kann gut atmen. Zuerst hatte ich Bedenken ob dieses Netz funktioniert, da die Gesichtskonturen doch noch sehr gut zu sehen sind, zumindest für das menschliche Auge. Es funktioniert aber tadellos.

 

Update Juli 2016 : Manchmal kann der Einsatz eines Tarnzeltes sinnvoll sein, z.B. in der Vogelfotografie oder in Situationen in denen der Wind nicht konstant in eine Richtung weht und häufig dreht, was nach meiner bisherigen Erfahrung öfter im Wald der Fall ist. Dabei sollte man ein Tarnzelt verwenden, dass von innen beschichtet ist und so (laut Herstellerangaben) den menschlichen Geruch nicht nach außen lässt. Abgesehen davon ist die schwarze Beschichtung aber auf jeden Fall sehr wichtig, da bei durchscheinendem Stoff die Tiere (besonders Vögel) die Bewegungen des Fotografen wahrnehmen können. Da sollte man also nicht an der falschen Stelle sparen.

Neben dem Vorteil, dass ein Tarnzelt den menschlichen Geruch nicht nach außen dringen lässt, ist ein weiterer Vorteil, dass man sich auch mal bewegen kann und nicht die ganze Zeit still sitzen muss. Es gibt aber auch einen Nachteil: Während es den Fotografen komplett unsichtbar macht, ist so ein Tarnzelt selber recht auffällig und kann dazu führen, dass sehr vorsichtige Tiere das Weite suchen.

Dem kann man entgegen wirken, indem man das Tarnzelt wie auf dem Foto mit in die Umgebung einbaut. Ist dies nicht möglich, kann man es mit Ästen und Zweigen verkleiden um die Konturen aufzulösen. Nach wie vor ist meine bevorzugte Ansitzmethode, das Ansitzen mit Tarnanzug. Dabei kann man die Natur intensiv erleben. Im Tarnzelt sitzt man praktisch im Dunkeln und bekommt von der Stimmung draußen nichts mit. Daher greife ich nur auf das Tarnzelt zurück, wenn es nicht anders geht.

Ein weißes Schneetarnnetz über das Zelt gelegt, bietet eine sehr effektive Tarnung im Winter.

 

 

Die Wildtier-Fotografie mit Tarnung begeistert mich sehr. Es ist ein tolles Gefühl eins mit der Natur zu werden und mit ihr zu verschmelzen. Wenn Singvögel, die normalerweise sehr scheu sind plötzlich einen Meter entfernt unbekümmert Nahrung suchen oder unmittelbar über einem im Geäst umherhüpfen und zwitschern oder man Rehe und Füchse aus seinem Versteck heraus beobachten kann, dann ist das für mich etwas ganz Besonderes. Und auch wenn sich einmal keine Tiere zeigen ist es sehr beruhigend, ja manchmal sogar meditativ.

 

 

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